Vortrag: Auf Spurensuche jüdischen Lebens in Schneeberg und Neustädtel
Schüler der Evangelischen Oberschule und der Oberschule der Bergstadt Schneeberg erforschen die Geschichte jüdischer Familien – Ergebnisse werden zur Museumsnacht vorgestellt
Ein Stolperstein in der Neustädtler Straße erinnert heute an das Schicksal der Schneeberger Jüdin Eva Scheinik. Doch hinter diesem einzelnen Erinnerungszeichen steht eine Geschichte, die weit über das Leben eines Menschen hinausweist. Zwei Schüler der Evangelischen Oberschule haben sich gemeinsam mit ihrer AG-Leiterin Frau Kaufmann auf eine intensive Spurensuche nach jüdischem Leben in Schneeberg und Neustädtel begeben.
Ausgangspunkt ihrer Recherche war die Frage, welche jüdischen Familien in den beiden Orten gelebt haben, woher sie stammten, welchen Platz sie innerhalb der Gesellschaft einnahmen und was aus ihnen während der Zeit des Nationalsozialismus und danach wurde. Die Recherchen führten die Schüler dabei in historische Quellen und eröffneten einen differenzierten Blick auf ein Kapitel der Stadtgeschichte, das lange Zeit nur fragmentarisch sichtbar war.
Die Ergebnisse der Forschungsarbeit zeichnen ein facettenreiches Bild: Insgesamt fünf jüdische Familien lassen sich für Schneeberg und Neustädtel nachweisen. Die frühesten Spuren reichen dabei bis in das Jahr 1881 zurück. Damit wird deutlich, dass jüdisches Leben nicht erst mit den Verfolgungen der NS-Zeit in das Bewusstsein der Stadtgeschichte rückt, sondern über Jahrzehnte Teil des gesellschaftlichen Lebens vor Ort war.
Die Schüler haben die einzelnen Familien anhand der verfügbaren Quellen näher untersucht. Dabei geht es nicht allein um Namen und Daten, sondern um persönliche Lebenswege: um Herkunft und familiäre Beziehungen, um berufliche und gesellschaftliche Stellung, um die Einbindung in das örtliche Leben – und schließlich um die tiefgreifenden Veränderungen, denen jüdische Menschen mit der nationalsozialistischen Verfolgung ausgesetzt waren. Auch die unterschiedlichen weiteren Schicksale der Familien werden in der Präsentation nachvollziehbar gemacht.
Die Forschungsarbeit zeigt damit zugleich, welchen Beitrag junge Menschen zur lokalen Erinnerungskultur leisten können. Aus historischen Dokumenten, Spuren im Stadtbild und persönlichen Lebensgeschichten entsteht ein Stück Stadtgeschichte, das den Blick auf Schneeberg und Neustädtel um eine wichtige Perspektive erweitert.
Vorgestellt werden die Ergebnisse im Rahmen der Museumsnacht am Freitag, 2. Oktober, um 18:30 Uhr und um 20:00 Uhr im Stadtarchiv, Raum „Alte Münze“.
Interessierte Besucherinnen und Besucher sind herzlich eingeladen, die Ergebnisse der Schülerforschung kennenzulernen. Der Eintritt ist frei!
Veranstaltungsort
Stadtarchiv Schneeberg
Veranstalter
Stadtarchiv Schneeberg
im Rahmen der Museumsnacht Städtebund Silberberg